Fragen und Antworten zur Schengen-Visafreiheit (Stand: 25.09.2012)

1. Warum Taiwan?

Die für die Schengen-Visumpflicht bzw. -freiheit entscheidende Verordnung 539/2001 des Rates der Europäischen Union wird regelmäßig überprüft. Die Schengener Staaten bzw. die Europäische Union sind für Taiwan-Passinhaber ein wichtiges Reiseziel, sowohl für touristische wie Geschäftszwecke. So wurden im zurückliegenden Jahr 174 697 Schengen-Visa ausgestellt und 310 000 Taiwaner besuchten Europa. Als viertgrößter Handelspartner Taiwans und wichtigste Quelle ausländischer Direktinvestitionen ist eine Vereinfachung der Einreiseerfordernisse für Taiwan-Passinhaber auch im Interesse der EU-Mitgliedstaaten. Außerdem hat Taiwan die Visaerfordernisse für Staatsangehörige der EU-Mitgliedsstaaten abgeschafft. Das von Taiwan ausgehende Risiko illegaler Migration wird als gering eingestuft.

2. Ab wann tritt die Visafreiheit in Kraft?

Die Visafreiheit für Taiwan-Passinhaber wird am 11. Januar 2011 in Kraft treten.

3. Was bedeutet das in der Praxis?

Das bedeutet, dass Inhaber taiwanischer Pässe für Kurzzeitaufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb eines Sechsmonatszeitraums kein Visum mehr benötigen. Sie können in die Schengener Staaten oder die drei EU-Mitgliedstaaten reisen, welche noch nicht vollständig das Schengener Regelwerk anwenden (Rumänien, Bulgarien und Zypern).

Bei Arbeitsaufnahme auch unter 90 Tagen und bei Besuchen von mehr als 3 Monaten Dauer, z.B. Wohnsitznahme, Familienzusammenführung oder Studienaufenthalte müssen Inhaber von taiwanischen Pässen nach wie vor ein Visum bei dem betreffenden Mitgliedstaat beantragen.

4. In welchen Mitgliedsstaaten wird die Visafreiheit angewendet?

Da Großbritannien und Irland bereits 2009 die Visapflicht für Taiwan-Passinhaber abgeschafft haben, ist die visafreie Einreise in allen Ländern der EU und drei weiteren Staaten (Island, Norwegen und Schweiz) möglich.

5. Gibt es einen Unterschied zwischen den Schengen-Staaten und den übrigen EU-Mitgliedsländern?

Ja. Die Länder der Schengen-Staaten wenden gemeinsame Vorschriften an. Es gibt keine Grenzkontrollen bei Reisen zwischen diesen Länder. Bei Reisen in andere Nicht-Schengen Staaten finden Grenzkontrollen nach wie vor statt.

6. Gelten für die Ausnahmeregelung alle Passarten?

Die Visafreiheit gilt für taiwanische Reisepässe, die eine Personalausweisnummer enthalten. Als Inhaber eines Diplomatenpasses oder eines anderen offiziellen Reisepasses sollten Sie sich vor Ihrer Reise mit dem für Ihr Reiseziel zuständigen Büro des Mitgliedstaates in Verbindung setzen.

Die Visafreiheit findet keine Anwendung auf Inhaber taiwanischer Reisepässe ohne Personalausweisnummer.

7. Benötige ich ein Visum für Geschäftszwecke, z.B, Fortbildungen, Geschäftstreffen, Messen usw. bei einem Kurzaufenthalt?

Nein.

8. Benötigen Studenten ein Visum bei einem Aufenthalt bis zu 3 Monaten?

Nein. Sollte der Aufenthalt allerdings verlängert werden, der Aufenthaltszweck gewechselt oder eine Arbeitsaufnahme während des Studiums geplant sein, muss das Schengengebiet verlassen und die Vertretung des jeweiligen Mitgliedsstaates in Taiwan kontaktiert werden, um das entsprechende Visum zu beantragen.

9. Benötige ich ein Visum für eine geplante Eheschliessung in einem der Mitgliedsstaaten?

Für die eigentliche Eheschliessung wird kein Visum benötigt. Sollte der beabsichtigte Aufenthalt länger als 90 Tage betragen, muss man ein Visum beantragen.

10. Benötige ich ein Visum, wenn ich beabsichtige, im Schengenraum eine Arbeit (Aufenthalt bis zu 90 Tage) aufzunehmen?

Ja, die meisten der Mitgliedsstaaten verlangen auch bei Kurzaufenthalten ein Visum und eine Arbeitserlaubnis. Sie sollten die Vertretung des entsprechenden Mitgliedstaates in Taipei kontaktieren und sich erkundigen, ob ein Visum benötigt wird. Halten Sie sich derzeit nicht in Taiwan auf, wenden Sie sich bitte an die entsprechende Vertretung in Ihrem Wohnsitzstaat.

11. Ich habe von einem Bekannten gehört, der ohne Visum in Deutschland gearbeitet hat? Ist das möglich oder illegal?

Grundsätzlich gilt: sobald Sie in Deutschland einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen, benötigen Sie ab dem ersten Tag ein Visum mit Arbeitsgenehmigung. Dies gilt auch dann, wenn Sie für Ihre Tätigkeit kein Geld erhalten, z.B. bei einem Praktikum.

 

Es gibt aber einige berufliche Tätigkeiten, für die eine Arbeitserlaubnis entfällt. Die maximale Beschäftigungsdauer ist immer zeitlich begrenzt. Bei Beratungsbedarf kontaktieren Sie uns bitte über "Kontakt" auf unserer Webseite.

12. Wie lange darf ich mich im Schengengebiet aufhalten?

Die maximale Aufenthaltsdauer beträgt 90 Tage in einem Zeitraum von 6 Monaten. Die Anzahl der Einreisen ist nicht begrenzt, d.h man kann in den entsprechenden 6 Monaten beliebig oft ein – und ausreisen, sofern die maximale Aufenthaltsdauer von 90 Tagen noch nicht aufgebraucht wurde.

13. Wann beginnt der 6-Monats-Zeitraum?

Der 6-Monats-Zeitraum beginnt am Tag der ersten Einreise in das Schengengebiet.


Beispiele:

a) Frau Lin reist am 20. Februar 2011 in den Schengenraum ein um ihren Freund in Spanien zu besuchen. Wie lange darf sie bleiben?

Antwort: Spanien ist ein Schengen-Mitgliedsstaat. Frau Lin darf nach ihrer Einreise am 20. Februar 90 Tage bleiben, d.h. bis zum 20. Mai. Da sie dann ihre 90 Tage verbraucht hat, kann sie nicht vor dem 20 August erneut in das Schengengebiet einreisen.

Sie könnte dann Ihren Freund frühestens wieder am 21. August treffen, weil zu diesem Datum der neue 6-Monats-Zeitraum beginnt und eine Einreise wieder möglich ist.

b) Herr Wang reist am 15. Januar 2011 ins Schengengebiet (hier: Deutschland) ein. Nach dem Besuch einer Messe in Deutschland macht er Urlaub in der Schweiz und Italien. Er verlässt Italien am 15. Februar. Danach reist er am 1. März nach Frankreich. Wie lange darf er sich noch aufhalten?

Antwort: Alle Länder gehören zum Schengengebiet. Der 6-Monats-Zeitraum von Herrn Wang beginnt am 15. Januar. Ab diesem Datum darf sich Herr Wang für 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 6 Monaten im Schengengebiet aufhalten. In diesem Fall also bis zum 15. Juli. Während seines ersten Aufenthalts vom 15.01. - 15.02. hat er 32 seiner 90 Tage verbraucht. Demnach bleiben ihm für seine zweite Reise noch 58 Tage (90 minus 32). Verbraucht Herr Wang diese 58 Tage, kann er nicht vor dem 15. Juli erneut ins Schengengebiet einreisen

c) Frau Chen reist am 01. Februar 2011 für eine Geschäftsreise in die Schengener Staaten. Sie verläßt diese wieder und reist erneut zu verschiedenen Gesprächen mit europäischen Kunden ein. Als Sie am 15. Mai die Schengener Staaten verläßt, hat sie bereits 70 Tage verbraucht.

Am 21. Juli reist sie mit Ihrer Familie zu einem Ferienaufenthalt nach Italien. Kann sie sich im Schengen-Gebiet über den 31. Juli hinaus aufhalten (Ende des 6-Monats-Zeitraums) und einen neuen 6-Monatszeitraum mit 90 Tagen Aufenthalt beginnen, ohne die Schengener Staaten erneut zu verlassen?

Antwort: Frau Chen reist ausschließlich in den Schengen-Staaten. Falls Frau Chen am 21. Juli erneut in den Schengener-Raum einreist und bereits 70 Tage verbraucht hat, kann sie sich auch über den 31. Juli hinaus im Schengener Raum aufhalten. Sie muß die Schengener Staaten nicht verlassen und kann ihren zweiten 6-Monats-Zeitraum beginnen.

Da sie allerdings zum Beginn des zweiten 6-Monats-Zeitraums zeitlich zusammenhängend 11 Tage in den Schengener Staaten verbracht hat, stehen ihr im zweiten 6-Monats-Zeitraum nur 79 Tage (90 minus 11) zur Verfügung.

Würde Frau Chen am 31. Juli ausreisen und erneut am 01. August in die Schengener Staaten einreisen, würde diese Begrenzung entfallen und sie könnte sich im zweiten 6-Monatszeitraum 90 Tage im Schengen-Gebiet aufhalten.

Aufenthalte in Rumänien, Bulgarien, Zypern, Großbritannien und Irland zählen nicht als Aufenthalte in den Schengen-Staaten, da diese Länder entweder nicht Mitglied des Schengener-Abkommens sind oder die Schengen-Bestimmungen nur teilweise anwenden.

14. Wie lange darf ich mich im Schengen-Gebiet aufhalten, wenn ich bereits vor Beginn der Visafreiheit ein gültiges Visum habe?

Für Inhaber nationaler Visa (D-Visa) oder Aufenthaltstitel, die in der Regel für Langzeitaufenthalte in einem der Mitgliedstaaten ausgestellt werden, gilt:

Der vorangegangene Aufenthalt im betreffenden Mitgliedsstaat zählt als nationaler Aufenthalt. Die Person kann sich daher nach Ablauf des nationalen Visums nach Inkrafttreten der Visafreiheit 90 Tage im Schengener Raum aufhalten. 

Für Deutschland gilt, dass Sie für einen Aufenthalt im Rahmen der Schengen-Visafreiheit einmal aus dem Schengen-Raum ausreisen müssen und dann erneut visafrei einreisen müssen.
Sofern Sie sich in einem anderen Schengen-Mitgliedstaat aufhalten wollen, gelten unter Umständen andere Regelungen und eine Ausreise ist nicht erforderlich. Bitte erkundigen Sie sich  bei den zuständigen Behörden des Mitgliedstaats, in den Sie reisen möchten.

Beispiel: Das nationale Visum läuft am 03. Februar 2011 aus. Die Person kann sich dann maximal weitere 90 Tage im Schengener Raum aufhalten. Die Person muß jedoch spätestens am 03. Februar aus dem Schengen-Raum ausreisen und kann dann visafrei wieder in den Schengen-Raum einreisen.

Für Inhaber von Schengen-Visa, deren Gültigkeit 2011 abläuft, gilt: Voraufenthalte im Schengen-Gebiet zählen als Schengener Aufenthalte.

Beispiel: Die Person hat bis zum 02. Februar 2011 gültiges Schengen-Visum und hat sich vom 02. Dezember 2010 bis zum 02 Februar 2011 im Schengen-Gebiet aufgehalten (63 Tage). Wenn diese Person über den 02. Februar hinaus im Schengen-Gebiet bleibt, stehen noch 27 Aufenthaltstage zur Verfügung. Der betreffende Sechs-Monats-Zeitraum dauert vom 02. Dezember bis 01. Juni.

15. Was sind die Einreisevoraussetzungen in die Schengener Staaten?

Schengen-Visafreiheit bedeutet kein bedingungsloses Recht auf Einreise und Kurzzeitaufenthalt. Die Visafreiheit wirkt sich nicht auf die übrigen Voraussetzungen auf, die bei Einreise für Kurzzeitaufenthalte erfüllt sein müssen. Zu den Einreisevoraussetzungen, die überprüft werden können zählt die Vorlage eines gültigen Rückflugtickets oder ausreichenden Finanzmitteln für den Aufenthalt, etc..

Detaillierte Informationen hierzu finden Sie im Schengener Grenzkodex (Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen). 

Sofern die Einreise wegen Nichterfüllung der Einreisevoraussetzungen verweigert wird, erhält die jeweilige Person eine schriftliche Entscheidung in der die Gründe für die Einreiseverweigerung aufgeführt sind. Hiergegen kann Widerspruch eingelegt werden. Das Widerspruchsverfahren richtet sich nach nationalem Recht des jeweiligen Mitgliedstaates. Die jeweilige Person erhält hierzu relevante Informationen ausgehändigt.

16. Welche Dokumente muß ich den Grenzbeamten bei der Einreise zeigen?

Sie müssen Ihren gültigen Reisepass zeigen. Dieser sollte noch mindestens drei Monate über das beabsichtigte Ausreisedatum hinaus gültig sein.

Ferner werden Sie unter Umständen um Vorlage von Dokumenten gebeten wie: Ihre Flugtickets für Ihre Weiter- oder Rückreise zu zeigen, Nachweise ausreichender Finanzmittel, Hotelreservierungen, Einladungsbriefe bei Besuchen oder Konferenzteilnahmen, Sprachkursanmeldungen etc.

Eine detaillierte Übersicht ist unter dem Link „ Belege, anhand deren geprüft wird, ob die Einreisevoraussetzungen erfüllt sind“ auf unserer Webseite zu finden.

17. Benötige ich eine gültige Reisekrankenversicherung, um in die Schengener Staaten zu reisen?

Eine Reisekrankenversicherung ist für die Einreise in den Schengen-Raum nach Inkrafttreten der Visafreiheit nicht notwendig, wird aber dringend empfohlen. Eine ausreichende Krankenversicherung sollte vor jeder Auslandsreise abgeschlossen werden.

18. Was ist zu beachten, wenn Minderjährige in die Schengener Staaten reisen?


Bei Reisen in das Schengen-Gebiet gelten die üblichen Regeln bei Reisen von Minderjährigen. Daher sollten Reisende mit Minderjährigen stets Nachweise mit sich führen, aus denen sich entweder ihre Verwandtschaftsbeziehung mit den Minderjährigen ergibt und/oder aus denen die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts von den sorgeberechtigen Personen an sie hervorgeht.
Diese Nachweise und Dokumente sollten in englischer Sprache vorliegen oder in die Sprache des Landes übersetzt worden sein, das Reiseziel ist.

Das Deutsche Institut kann nach vorheriger Terminvereinbarung (Bereich Bürgerdienste) auf Wunsch gerne Unterschriftsbeglaubigungen anfertigen, wenn die sorgeberechtigten Personen einen Nachweis der Sorgeberechtigung und vorbereiteten Text zur „Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts“ vorlegen.

19. Werden alle betroffenen Behörden der Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens über dies Veränderungen unterrichtet sein?

Ja.

20. Wie viele Personen werden von der Neuregelung profitieren?

Im vergangenen Jahr wurden für Taiwan-Passinhaber rund 175.000 Schengen-Visa ausgestellt. Durchschnittlich 310.000 Taiwaner reisen jedes Jahr nach Europa. Großbritannien, Irland und Neuseeland haben nach Einführung der Visafreiheit für Taiwan Passinhaber Steigerungen der Besucherzahlen zwischen 35 und 40 % erlebt. Wir erwarten eine ähnliche Entwicklung bei Reisen in die EU.

21. Kann die Visumspflicht wieder eingeführt werden?

Es gibt regelmäßige Überprüfungen der entsprechenden Verordnung. Im Fall, dass die Bedingungen für die Visafreiheit nicht mehr erfüllt wären, können Drittländer wieder auf die Liste visapflichtiger Länder gesetzt werden. Die Entscheidung, die Visafreiheit für Taiwan-Passinhaber einzuführen, spiegelt jedoch die derzeitige Zuversicht wider, dass für Taiwan derartige Maßnahmen nicht erforderlich sind.