2012 Taiwan Symposium on Carbon Capture, Storage and Utilization

DI Bild vergrößern Von links: EPA-Minister Stephen Shen, Hr. Peer Hoth (BMWiT), Dr. Michael Zickerick und Herr Marcel Schwarz (beide DI Taipei) (© DI)

CCS – „Carbon Capture and Storage“ – ist ein Verfahren zur Reduzierung der CO2-Emission in die Atmosphäre, das zukünftig bei großen Punktquellen von CO2, wie Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen und Industrieanlagen, Anwendung finden könnte. Das Treibhausgas soll aus dem ausgestoßenen Gasgemisch herausgefiltert und zur Speicherung auf unbegrenzte Zeit in unterirdische Gesteinsschichten injiziert werden. Das abgeschiedene CO2  kann außerdem, beispielsweise bei der Herstellung von Kunststoffen, industriell genutzt werden („Carbon Capture and Utilization“ – CCU).

Bis das Verfahren umgesetzt werden kann, gilt es noch einige technologische und rechtliche Hürden zu überwinden und offene Fragen zu Abscheidung, Transport und vor allem der Lagerung des CO2 zu beantworten. Im Rahmen des „2012 Taiwan Symposium on Carbon Dioxide Capture, Storage and Utilization“ (25.-27.11.2012) erhielten die Teilnehmer einen Überblick über den Stand der Forschung und die Erfahrungen mit Demonstrationsprojekten, wie dem CCS-Projekt in Decatur, Illinois und dem Pilotprojekt einer Lagerstätte in Ketzin, Brandenburg. Gemeinsam konnten Strategien für eine zukünftige Zusammenarbeit entwickelt werden.

Zu Beginn der Konferenz machte der taiwanische Chemie-Nobelpreisträger Lee Yuan-tseh auf die bereits beobachtbaren Folgen des Klimawandels und auf Prognosen und Szenarien bei unveränderter Entwicklung aufmerksam. Unter der Formel „back to sunshine“ betonte er die Notwendigkeit, neben der Entwicklung von Technologien zur CO2-Reduzierung, auch daran zu arbeiten, den Energieverbrauch in Zukunft soweit zu senken, dass dieser aus regenerativen Energiequellen gedeckt werden kann. Der britische Experte Tom Wintle betonte in seiner Rede, dass neben der technologischen Weiterentwicklung auch die Förderung der öffentlichen Akzeptanz von CCS eine zentrale Herausforderung darstellt. Dazu stellte er das Projekt „2050 calculator“ vor: Auf einer interaktiven Webseite können Bürger durch die Angabe ihrer Vorstellungen zum Energieverbrauch und zur Energiegewinnung den Energiebedarf für das Jahr 2050 und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen berechnen. Sie sollen dadurch angeregt werden, sich Gedanken über die zukünftige Energieversorgung und den Nutzen von neuen Verfahren und Technologien, wie CCS, zu machen.

Der deutsche Experte Peer Hoth aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, stellte in seinem Vortrag den deutschen Energiemix und die Ziele der Bundesregierung zur CO2-Einsparung vor. Er verwies auf die rechtlichen Rahmenbedingungen von CCS in Deutschland und machte kritisch auf die Herausforderungen aufmerksam. Als Beispiel führte er das CCS-Projekt von Vattenfall im Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde an, das Ende 2011 unter anderem wegen rechtlicher Unklarheiten, mangelnder Akzeptanz in der Öffentlichkeit und Ungewissheiten bezüglich der Lagerung gescheitert war. Herr Hoth befürwortet eine engere internationale Zusammenarbeit. Aus deutscher Sicht sieht er das zukünftige Anwendungsgebiet von CCS vor allem in Industrieanlagen.