Neuer CO2-Filter als Hilfe im Kampf gegen die Klimaerwärmung

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Gute Neuigkeiten aus der Wissenschaft! Climeworks, ein Spin-off-Unternehmen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, hat ein Verfahren entwickelt, das es vielen Staaten erleichtern wird, die in Paris beschlossenen Klimaziele umzusetzen. Bei diesem sogenannten Direct-Air-Capture-Verfahren handelt es sich um eine Art Käscher, der große Mengen Luft einsaugt und das CO2 herausfiltert. Der schwammähnliche Filter hat eine Trägerstruktur aus Zellulose und enthält spezielle Moleküle, an die sich die CO2-Moleküle in der eingesaugten Luft andocken. 

Zurzeit ist Climeworks dabei, eine Pilotanlage zu bauen, die der Luft jährlich 900 Tonnen Kohlendioxid entziehen kann. Diese Anlage soll nächsten Sommer in Zürich in Betrieb genommen werden. Die Idee dahinter ist folgende: Der volle Filter wird auf 95° erhitzt, wodurch sich das Treibhausgas löst und der Filter wieder genutzt werden kann. Das gelöste Kohlendioxid wird in dem Prozess aufgefangen und kann dann wiederverwendet werden. V.a. in der Getränkeindustrie und in der Landwirtschaft gilt CO2 als gefragter Rohstoff. Das gefilterte CO2 könnte auch dazu verwendet werden, um klimaneutrale Treibstoffe zu produzieren. Aus Wasserstoff und Kohlendioxid können Benzin, Diesel, Kerosin und andere Energieträger und Industriegrundstoffe hergestellt werden. Dazu kann der benötigte Wasserstoff aus Wind- und Photovoltaik-Strom gewonnen werden. Das benötigte CO2 wird mittels Direct Air Capture der Luft entnommen. Somit würden Kraftwerke und Industrie als CO2-Lieferanten nicht mehr von Bedeutung sein.

Auch in den USA und Kanada arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute an der Entwicklung von Air-Capture-Verfahren. Das kanadische Start-Up-Unternehmen Carbon Engineering hat letztes Jahr sogar schon eine ähnliche, etwas kleinere Anlage in Betrieb genommen.

Noch sind die Kosten für dieses Verfahren sehr hoch. Laut der American Physical Society belaufen sie sich derzeit auf 600 US-Dollar pro Tonne CO2. Im Laufe der Zeit könnten sie aber mit der Weiterentwicklung der Technologie deutlich sinken.

Die Verwendung von Air-Capture-Luftfiltern allein wird jedoch nicht ausreichen, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, warnt Elmar Kriegler vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Diese Technologien allein können eine Reduzierung der Treibhausgase nicht ersetzen, vor allem weil es sich dabei um Technologien handelt, deren Effektivität noch nicht erprobt ist. Um eine exzessive Klimaerwärmung zu verhindern, ist eine Reduktion der Treibhausgase weiterhin unumgänglich.

Obgleich die Verringerung von CO2-Emissionen nach wie vor Gebot der Stunde ist, könnte das Direct-Air-Capture-Verfahren helfen, die bereits vorhandenen Emissionen aus der Atmosphäre zu filtern. Somit könnte im Idealfall der CO2-Gehalt der Luft eines Tages sogar abnehmen. Dafür müsste das gefilterte Kohlendioxid aber unterirdisch gelagert werden, woran derzeit noch geforscht wird. Bis es soweit ist, scheint ein Recycling des gefilterten CO2 als eine vielversprechende Maßnahme im Kampf gegen die Klimaerwärmung.

Quelle: Spiegel Online