Blue Economy - der Traum von Wachstum ohne Umweltbelastung

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Papier aus Steinstaub, Speisepilze aus Pflanzenabfällen: Eine Welt, in der es keinen Müll und keine Armut mehr gibt, klingt utopisch. Der Belgier Gunter Pauli hat mit der Gründung der sogenannten Blue Economy einen wichtigen Anfang gemacht.

Grundlage der Blue Economy ist die bestmögliche Nutzung aller Ressourcen, die in der Umgebung zur Verfügung stehen – insbesondere solcher, die bisher gemeinhin als Müll eingestuft und entsorgt werden. Vermeintliche Abfälle dienen als wertvolle Ausgangsstoffe für das nächste Produkt. Gerne wird zur Veranschaulichung das Beispiel des Kaffees herangezogen: Die Wertschöpfung muss nicht beim Brühen des Kaffees enden, denn die übrig bleibende Biomasse kann als exzellenter Nährboden für Speisepilze dienen. Und das, was nach der Ernte dieser Pilze noch übrig bleibt, kann zu Tierfutter verarbeitet werden. So ließe sich leicht ein Geschäftsmodell konzipieren, das mit dem gleichen Rohstoff Kaffee auf dreifache Weise Profite erzielt. Kurzum, Pauli will die Wirtschaft revolutionieren: Sie soll lokal, nachhaltig und vielfältig sein. Dabei hat er nicht die großen etablierten Konzerne im Visier, sondern denkt vor allem an junge Unternehmer, die bereit sind, neue, innovative Wege zu gehen. Weltweit gibt es bereits zahlreiche Beispiele für die Anwendung dieses Konzeptes – besonders in Entwicklungsländern: Ähnlich der Kaffeesatz-Idee züchten Landwirte in Simbabwe Speisepilze auf einem Substrat, das aus einer Mischung von abgeernteten Bananen- und Maisstauden und Kuhdung hergestellt wird. Chinesische Fabrikanten stellen aus Steinstaub Papier her - ohne umweltschädliche Bleichmittel oder forstwirtschaftliche Monokulturen. In Europa wird weiter an Bio-Kunststoffen geforscht – um z.B. „Plastiktüten“ aus Disteln zu produzieren. Dies ist nur eine kleine Auswahl an nachhaltigen und wirtschaftlich rentablen Geschäftsmodellen, die vom Blue-Economy Gedanken inspiriert wurden. Viele der Ideen sind verblüffend einfach umzusetzen, ohne viel Knowhow und ohne große Investitionen.  

 

Quelle:   Beitrag im Deutschlandradio Kultur von Leonie March, 03. März 2015

Weitere Informationen:

http://www.theblueeconomy.org/blue/Home.html (in Englisch)

http://www.gunterpauli.com/Gunter_Pauli/The_Blue_Economy.html (in Englisch)