Taiwanische Cradle-to-Cradle-Allianz gegründet

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Anfang April wurde in Taiwan die Cradle-to-Cradle (wörtlich: von der Wiege zur Wiege) -Allianz gegründet. Diese ist bisher die einzige ihrer Art in ganz Asien.

Die Allianz vereint 24 Industrieunternehmen, Regierung, Nichtregierungsorganisationen sowie Forschungsinstitutionen, die sich gemeinsam für die Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Konzeptes einsetzen. Ziel der Allianz ist es, ein Netzwerk aufzubauen, dass es der taiwanischen Industrie ermöglicht, Cradle-to-Cradle-Produkte herzustellen und diese nach ihrer Nutzung zurückzuholen und so oft wie möglich wieder zu verwerten, ohne dass dabei Qualitätsverluste hinzunehmen sind.

Unter der Schirmherrschaft des taiwanischen Umweltministeriums sind der Aufbau und die Struktur der Allianz in Taiwan während der vergangenen zwölf Monate gemeinsam mit dem "Industrial Technology Research Institute (ITRI)" und dem Taiwan-Branch-Office des deutschen Umweltberatungsunternehmens "EPEA Internationale Umweltforschung GmbH" vorbereitet worden. Unter den Gründungsunternehmen ist auch das taiwanische Tochterunternehmen der BASF Deutschland.

Cradle-to-Cradle Bild vergrößern Vertreter der an der taiwanischen Cradle-to-Cradle-Allianz beteiligten Unternehmen mit Prof. Michael Braungart und Taiwans Umweltminister Stephen Shen bei der Gründungsveranstaltung in Taipei (© DI)

Das Cradle-to-Cradle-Konzept wurde von dem deutschen Chemiker Prof. Michael Braungart und seinem amerikanischen Mitstreiter, dem Architekten William McDonough, Anfang der achtziger Jahre ins Leben gerufen. Es ist im Gegensatz zu „cradle to grave“ die Vision einer abfallfreien Wirtschaft, bei der Firmen keine gesundheits- und umweltschädlichen Materialien mehr verwenden und alle Stoffe dauerhaft Nährstoffe für natürliche Kreisläufe oder geschlossene technische Kreisläufe sind. Kompostierbare Textilien, essbare Verpackungen, reine Kunststoffe oder Metalle, die unendlich oft für denselben Zweck verwendet werden können – so soll die Zukunft aussehen.

Bereits erfolgreich umgesetzt wird das Cradle-to-Cradle-Konzept in den Niederlanden, Österreich, in den USA und nun auch in Taiwan. Es sind so bisher 400 zertifizierte innovative Produkte wie kompostierbare Sitzbezüge für den Airbus 380 sowie Teppiche entstanden, die die Innenluft reinigen oder sogar ein Haarlack, den man trinken kann.

In Taiwan haben bisher zwei Produkte die C2C-Zertifizierung erhalten. Prof. Braungart erläuterte bei der Gründungsveranstaltung, dass das deutsche Sportbekleidungsunternehmen "Puma" ebenfalls C2C-Zertifizierungen anstrebe und bisher gut 30% seiner Zulieferprodukte aus Taiwan erhalte.

Das Wirtschaftsmodell, zugleich öko-sozial und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, hat teilweise bei Unternehmen zu kompletten Änderungen des Geschäftsmodells geführt. Sie nehmen ausgediente Produkte nicht nur zurück und verwerten diese weiter für niederwertige Produkte. Recycling nach dem C2C-Prinzip bedeutet, dass das Material ohne Qualitätsverlust immer wieder für dasselbe Produkt wiederverwendet werden kann und wird, weil es reine Materialen (z.B. reine Kunststoffe, pures Holz) sind. Aus einer Rückenlehne wird wieder eine Rückenlehne. Manche Firmen haben sich vom Produkthersteller zum Anbieter von Dienstleistungen gewandelt, was die Herstellung der jeweiligen Produkte weitgehend überflüssig machte. Manche erweiterten ihr Angebot an Dienstleistungen durch Produkte, so wurde etwa ein Abfallunternehmen zum Hersteller von Altglasrohlingen, aus denen Trinkgläser gemacht werden können.

 

Links:

Mehr Informationen zum Cradle to Cradle-Konzept auf der Homepage der EPEA GmbH

Chinesischer EPEA- Link