Interview mit Markus Wernhard (Leiter des Goethe-Instituts Taipei)

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Mirko Kruppa besuchte Markus Wernhard, den Leiter des Goethe-Instituts Taipei, und sprach mit ihm über das Thema Nachhaltigkeit und dessen Bezüge zu Kultur. Das Goethe-Institut Taipei hat verschiedene Projekte zum Thema Nachhaltigkeit angestoßen.


1. In einem Satz: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Kultur und Bildung?

WERNHARD: Das in einem Satz zu sagen, geht natürlich nicht. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema unserer Zeit. Kultur und Bildung sollten sich also dazu verhalten. Kultur und Bildung „reden“ nicht über Nachhaltigkeit, sondern praktizieren diese. Genau hinschauen, Probleme diskutieren und Lösungen suchen ist nachhaltiges Handeln. Kultur und Bildung sind dadurch zentraler Faktor, um zur Nachhaltigkeit der Gesellschaft beizutragen.

Beispielsweise erhöht das Erlernen von Fremdsprachen die gesellschaftliche Nachhaltigkeit, da Kommunikation und kompetenter Dialog stattfinden können. Dies ist Grundlage für Austausch und gegenseitiges Verständnis.


2. Wo sehen Sie die engsten Verbindungen im Deutsch-Taiwanischen Kulturdialog heute und welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit?

WERNHARD: Der Deutsch-Taiwanische Kulturdialog ist breit und kann nicht auf einen Bereich heruntergebrochen werden. Die Nachhaltigkeit steht darin sicherlich weniger im Mittelpunkt, als sie könnte oder sollte. Um dem entgegenzuwirken, hat das Goethe-Institut Taipei verschiedene Projekte initiiert. Hierunter fallen zum einen unsere Blogs: Ein Blogger berichtet für Deutsche über Themen zur Nachhaltigkeit in Taiwan und umgekehrt gibt es einen Blog für Taiwaner über Themen zur Nachhaltigkeit in Deutschland.

Zum andern haben wir – angelehnt an die Zukunftsvision des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – den MORGENSTADT-Comic ins Leben gerufen. Junge Comic-Zeichner machen sich hierbei Gedanken über das Thema Stadt der Zukunft und setzen dies mit Ihren eigenen künstlerischen Methoden um. Hierdurch werden explizit kulturelle Ansatzpunkte geschaffen, um über dieses Thema nachzudenken und eine Debatte außerhalb der Wissenschaft anzustoßen.


3. Gibt es eine weltweite Kulturdebatte zum Thema Nachhaltigkeit? Wenn ja, wer treibt diese an und was sind die zentralen Themen dabei?

Eine weltweite Kulturdebatte dazu gibt es m.E. nicht. Vielmehr arbeiten in vielen Ländern Institutionen im Kulturbereich daran, nachhaltiges Bewusstsein zu schaffen und umzusetzen. Das geht von interdisziplinär besetzten Foren zu Themen mit Nachhaltigkeitsbezug bis hin zu CO2-neutralen Musikfestivals. Nachhaltigkeit ist ein Themenfeld, das neben den wissenschaftlichen und technischen auch sehr stark gesellschaftliche Aspekte hat. Die Kultur kann und sollte zur Sichtbarkeit und Tiefenwirkung der damit verbundenen Diskurse beitragen.


4. Das Goethe-Institut hat sich 2010 als CO2-neutral zertifiziert. Warum haben Sie sich zu dieser Investition entschieden und was hat das mit Kultur zu tun?

WERNHARD: Zunächst haben wir durch diverse Investitionen und Einsparungen sowie durch Entwicklung des Bewusstseins hierfür bei den eigenen Mitarbeitern den CO2-Ausstoß (und auch unsere Energiekosten) stark reduzieren können. Eine gewisse CO2-Menge lässt sich aber nicht einsparen. Um diesen Restverbrauch zu neutralisieren, haben wir am Ende des Jahres eine entsprechende Menge von CO2-Zertifikaten gekauft, die den eigenen CO2-Ausstoß kompensierten. Wichtig war uns dabei neben der eigentlichen CO2-Reduktion vor allem die Signalwirkung. Durch diese Aktion wollten wir die Öffentlichkeit ansprechen und demonstrieren, wie der CO2-Ausstoß konkret reduziert werden kann. Auf unserer Homepage wurde ein eigener Blog eingerichtet, der alle unsere Schritte im Einzelnen dokumentiert hat.