Tafel: 29.01.2014 – Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin
Oton: Angela Merkel - Bundeskanzlerin
«Deutschland hat sich entschieden, eine Abkehr vom jahrzehntelangen Energiemix aus
vornehmlich fossilen Energieträgern und Kernergie zu vollziehen. Es gibt kein weiteres
vergleichbares Land auf dieser Welt, das eine solch radikale Veränderung seiner
Energieversorgung anpackt.»
Im Klartext heißt das: Bis 2050 sollen 80 Prozent des Stroms in Deutschland aus
erneuerbaren Energien erzeugt werden. Neben der praktischen Umsetzung ist auch die
Kommunikation des Projekts eine enorme Herausforderung, denn die Auswirkungen
bleiben nicht auf Deutschland beschränkt.
Oton: Viktor Elbling - Leiter Abteilung für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung im
Auswärtigen Amt
«Es ist wichtig, dass wir auch gegenüber unseren Partnern klar machen, dass wir die
Energiewende nicht als deutsches Projekt sehen, sondern das es ein europäisches
Projekt ist. Es geht darum, auch die Netze miteinander zu verbinden und wirklich eine
win&win-Situation für alle zu schaffen. Denn wir haben ja keine isolierten Energiemärkte in
Europa, sondern die Energiemärkte sind mehr und mehr verbunden. D.h. jedes Land
entscheidet über seinen Energiemix, aber es wäre falsch zu denken, dass jedes Land
völlig unabhängig ist.»
Bereits im Jahr 2000 legte Deutschland mit einem Gesetz zur Förderung der erneuerbaren
Energien den Grundstein für den Wandel. Heute kommen 25 Prozent des Stroms in
Deutschland aus erneuerbaren Energien. Und mancherorts ist man noch weiter, z.B. in der
Stadt Wolfhagen. Im Jahr 2015 wird der gesamte produzierte Strom der Stadtwerke aus
regenerativen Quellen stammen.
Oton: Martin Rühl - Stadtwerke Wolfhagen:
«Das theoretische Wissen - zu sagen, auf diesem Planeten scheint das
Zehntausendfache an Energie ein, wir müssen davon nur ein Promille nutzen und dann
wäre unser Energieproblem gelöst - das klingt immer so abgehoben und weit entfernt. Auf
Wolfhagen bezogen ist jetzt unter Beweis gestellt, 100 Prozent erneuerbar in der
Stromversorgung ist eigentlich ein Spaziergang, denn vier Windernergieanlagen und eine
18 Hektar große Fläche bei 110 Quadratkilometern, die Wolfhagen hat, ist jetzt nicht so,
dass man ganz Wolfhagen überdachen müsste, um die Energiemengen dafür
bereitzustellen.»
In Wolfhagen gibt es noch eine weitere Besonderheit: Die Menschen sind aktiv an der
Energiewende beteiligt, denn 25 Prozent der Stadtwerke hat die Bevölkerung über
Anteilsscheine erworben.
Oton: Wilfried Steinbock, BürgerEnergieGenossenschaft BEG:
«Die Leute waren begeistert davon, dass sie hier investieren konnten in ein
Genossenschaftsmodell. Die Genossenschaft ist dann auch sehr schnell gewachsen. Wir
haben mittlerweile 670 Mitglieder und jede Woche immer noch den Drang von Menschen,
die sich hier beteiligen wollen.»
Drei Prozent Dividende wurden letztmalig ausgeschüttet, außerdem entstehen Rücklagen
für direkte Investitionen wie Schulungen zum Thema Energiesparen und ganz konkrete
Zuschüsse.
Oton: Wilfried Steinbock, BürgerEnergieGenossenschaft BEG:
«Wir geben jedem Mitglied hier, wenn er einen A3plus Kühlschrank kauft, 50 Euro dazu.»
Das Beispiel Wolfhagen zeigt: Die Energiewende ist praktisch umsetzbar. Das Beispiel
zeigt aber auch, wie wichtig Kommunikation und Beteiligung sind. Der kleine Ort hat
Pilotcharakter, eine Delegation aus Japan war bereits vor Ort, andere sollen folgen. Die
Energiewende mag ein deutsches Projekt sein, sie ist aber eine Chance für ganz Europa
und darüber hinaus.